🎄 Ein Weihnachtsabend, aus den Augen einer Katze
- majabuetikofer

- 23. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Dez. 2025
Manche Abende brauchen keine großen Worte. Sie brauchen jemanden, der kommt. Und jemanden, der bleibt.

Ich wusste schon am Morgen, dass heute kein gewöhnlicher Tag war. Frauchen bewegte sich langsamer. Sie blieb öfter stehen, so, als müsste sie ihre Gedanken erst einsammeln, bevor sie weitergehen konnte.
Die Kerze brannte schon früh. Nicht für Besuch, sagte Frauchen. Einfach so.
Weihnachten mache die Wohnung sonst zu groß.
Ich lag auf dem Sofa und beobachtete sie. Frauchen redete heute mehr mit sich selbst.
Leise. Das tut sie, wenn die Gedanken zu laut werden.
Als es an der Tür klopfte, hob ich den Kopf. Die Schritte davor waren ruhig gewesen. Bestimmt. Das war gut.
Die Frau von der Spitex kam herein, brachte kalte Luft mit und etwas Warmes, das man nicht riechen kann. Sie sprach langsam, setzte sich nicht gleich, schaute sich erst um. Ich blieb liegen. Menschen, die nichts erzwingen, darf man beobachten.
Frauchen erzählte von Nächten ohne Schlaf, von Bildern im Kopf, die an Weihnachten besonders hartnäckig sind. Die Spitex-Frau hörte zu. Sie erklärte manches, fragte vorsichtig nach, ließ Pausen zu.
Pausen sind wichtig. In Pausen kann man atmen.
Ich stand auf und legte mich auf den Teppich, genau zwischen Frauchen und
die Spitex-Frau. Nicht, um zu helfen.
Sondern um da zu sein.
Meistens reicht das.
Die Kerze flackerte kurz. Draußen wurde es dunkel. Drinnen blieb es ruhig. Frauchens Stimme veränderte sich ein wenig.
Nicht fröhlich.
Aber fester.
Als die Spitex-Frau ging, sagte sie, wann sie wiederkommt. Das hörte ich mir genau an. Frauchen nickte. Ihre Schultern waren nicht mehr ganz so hochgezogen.
Nachdem die Tür zu war, setzte sich Frauchen zu mir auf das Sofa. Sie streichelte mich nicht gleich.
Sie atmete erst.
Ich schnurrte trotzdem.
Weihnachten ist für Menschen oft schwer. Erinnerungen werden lauter, Stille drückt mehr als sonst. Aber heute war jemand da.
Und morgen kommt wieder jemand.
Ich schloss die Augen.
Für diesen Abend war gesorgt.
↗️Im nächsten Blog, bleibt es ruhig. Eine Katzenweisheit für den Stephanstag.



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