Fachbuch im Fokus: Lieblosigkeit macht krank (I)
- majabuetikofer

- 31. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Inspiriert vom Buch von Gerald Hüther: "was unsere Selbstheilungskräfte stärkt und wie wir endlich gesünder und glücklicher werden"

Teil 1 – Warum dieses Buch uns alle betrifft
Noch nie in der Geschichte standen uns so viele medizinische Möglichkeiten zur Verfügung wie heute. Krankheiten können früher erkannt, präziser behandelt und oft besser kontrolliert werden als jemals zuvor. Und dennoch fühlen sich viele Menschen erschöpft, überlastet oder dauerhaft krank.
Wie passt das zusammen?
Der Neurobiologe Gerald Hüther vertritt die These, dass viele gesundheitliche Probleme nicht allein durch biologische Faktoren entstehen. Entscheidend sei auch das, was uns innerlich voneinander trennt: fehlende Verbundenheit, fehlende Resonanz und mangelnde zwischenmenschliche Nähe.
Worum geht es in diesem Buch?
Hüther richtet den Blick weg von der reinen Symptombehandlung hin zu einer grundlegenderen Frage:
Was braucht ein Mensch eigentlich, um gesund zu bleiben?
Seine zentrale Botschaft lautet: Heilung ist im Kern immer auch ein Selbstheilungsprozess. Medizin kann unterstützen, stabilisieren und begleiten – doch die eigentliche Regeneration geschieht im Organismus selbst. Unser Körper trägt die Fähigkeit zur Selbstregulation bereits in sich.
Problematisch wird es dort, wo diese Fähigkeit über längere Zeit blockiert wird.
Und genau hier setzt Hüther an: Selbstheilungskräfte schwinden dort, wo Menschen dauerhaft in Strukturen oder Beziehungen leben, die von Lieblosigkeit geprägt sind.
Mit „Lieblosigkeit“ meint Hüther dabei nicht fehlende Romantik. Er beschreibt vielmehr einen Mangel an Wertschätzung, Zugehörigkeit, echter Aufmerksamkeit und menschlicher Verbundenheit.
Das zeigt sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen:
Lieblosigkeit im Umgang mit uns selbst – durch ständige Selbstkritik, Überforderung und das Gefühl, immer funktionieren zu müssen
Lieblosigkeit in Beziehungen – wenn echte Resonanz, Wertschätzung oder emotionale Sicherheit fehlen
Lieblosigkeit in Arbeitsstrukturen – durch Leistungsdruck, Entfremdung und permanente Erschöpfung
Lieblosigkeit im Gesundheitssystem – wenn Menschen auf Diagnosen oder Symptome reduziert werden
Hüther begründet seine Sichtweise neurobiologisch. Das menschliche Gehirn entwickelt sich in Beziehungen und bleibt ein Leben lang auf soziale Verbundenheit angewiesen. Dauerhafter Stress, Angst, Isolation oder das Gefühl, nicht gesehen zu werden, beeinflussen nachweislich unser Nervensystem, unser Immunsystem und unser psychisches Wohlbefinden.
Für wen ist dieses Buch?
Dieses Buch richtet sich an:
Menschen im Gesundheitswesen
Personen mit chronischer Erschöpfung oder psychosomatischen Beschwerden
Führungskräfte und Verantwortliche in Organisationen
Alle, die äußerlich funktionieren – sich innerlich aber müde, leer oder entfremdet fühlen
Vielleicht ist die entscheidende Frage also nicht:
Welche Therapie fehlt noch?
Sondern vielmehr:
Wie begegnen wir uns selbst und anderen?
Wenn ein Mangel an Verbundenheit krank machen kann, dann beginnt Heilung vielleicht dort, wo wieder echte Beziehung entsteht: zu uns selbst, zu unserem Körper und zu den Menschen um uns herum.
↗️ Im nächsten Teil schauen wir genauer hin: Wie tragfähig sind Hüthers Thesen wirklich – und wo lohnt sich auch eine kritische Einordnung?


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