đ Teil 1: Im Fokus â Hypnose & Bewusstsein
- majabuetikofer

- 28. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Jan.
Die faszinierende Geschichte der Hypnose â vom âMagnetismusâ
zur modernen Therapie

âSchauen Sie auf das Pendel ⊠Ihre Augen werden schwer âŠâ So oder so Ă€hnlich klingt fĂŒr viele das Klischee von Hypnose â ein bisschen mystisch, ein bisschen Show. Doch hinter dem schimmernden Bild steckt eine jahrhundertealte Geschichte voller IrrtĂŒmer, Entdeckungen und erstaunlicher Wendungen. Die Hypnose hat ihren Weg von dunklen Tempeln der Antike ĂŒber prunkvolle Pariser Salons bis in heutige OperationssĂ€le gefunden. Und sie erzĂ€hlt dabei immer auch etwas ĂŒber unser VerstĂ€ndnis vom menschlichen Geist.
Die AnfĂ€nge â Trance in alten Kulturen
Schon vor tausenden Jahren suchten Menschen verĂ€nderte BewusstseinszustĂ€nde, um Heilung oder Erkenntnis zu finden. In Ăgypten und Griechenland gab es sogenannte âSchlaftempelâ: Orte, an denen Kranke durch GesĂ€nge, Rituale und monotone Formeln in eine Art Trance versetzt wurden. In Indien und China wurden Ă€hnliche ZustĂ€nde durch Meditation oder rhythmische Atemtechniken erreicht. Niemand sprach damals von Hypnose â aber die Grundidee war dieselbe: Durch tiefe Entspannung und innere Fokussierung Zugang zu etwas in uns zu finden, das sonst verborgen bleibt.
Mesmer und der âmagnetische Zauberâ
Der eigentliche Startpunkt der modernen Hypnose liegt im 18. Jahrhundert â bei einem Mann, der halb Wissenschaftler, halb BĂŒhnenstar war: Franz Anton Mesmer.
Mesmer glaubte, dass ein unsichtbares âmagnetisches Fluidumâ durch alle Lebewesen flieĂe und Krankheiten entstĂŒnden, wenn dieses aus dem Gleichgewicht gerate. Mit EisenstĂ€ben, Magneten und geheimnisvollen Ritualen wollte er es wieder ordnen. Seine Behandlungen, oft in prachtvollen Pariser Salons, zogen neugierige Zuschauer in Scharen an. Manche Patienten berichteten tatsĂ€chlich von Linderung â andere hielten alles fĂŒr Hokuspokus. Die Wissenschaft lachte ihn aus, aber: Mesmer brachte ein Thema ins Rollen. Zum ersten Mal wurde die Kraft von Konzentration, Suggestion und Erwartung ernsthaft beobachtet â wenn auch unter einem anderen Namen.
Von der BĂŒhne in die Wissenschaft
Einige Jahrzehnte spĂ€ter griff der schottische Arzt James Braid Mesmers Ideen wieder auf â allerdings ohne Magnete und Mystik. Er bemerkte, dass sich Menschen allein durch monotone Reize (z. B. das Fixieren eines Punktes) in einen Trancezustand versetzen lieĂen. Er prĂ€gte dafĂŒr den Begriff âHypnoseâ â vom griechischen âHypnosâ fĂŒr Schlaf, auch wenn es sich nicht um echten Schlaf handelte. Braid erklĂ€rte das PhĂ€nomen als psychologische Reaktion, nicht als ĂŒbernatĂŒrliche Kraft. Damit machte er den entscheidenden Schritt: Hypnose wurde zu einem Gegenstand der Medizin, nicht der Magie.
Paris im 19. Jahrhundert â Hysterie und Hypnose
Im 19. Jahrhundert wurde Hypnose in Paris zu einem regelrechten Gesellschaftsereignis. Der berĂŒhmte Neurologe Jean-Martin Charcot zeigte an der SalpĂȘtriĂšre-Klinik vor staunendem Publikum, wie er Patientinnen mit âHysterieâ durch Hypnose in verschiedene ZustĂ€nde versetzte. Seine Shows waren so berĂŒhmt, dass sogar Schriftsteller und Philosophen im Publikum saĂen. Doch nicht alle sahen Hypnose als Spektakel: Hippolyte Bernheim in Nancy betrachtete sie als normales psychologisches PhĂ€nomen, das auf Suggestion beruhte â also auf der Macht von Worten und Ăberzeugung. Dieser Streit zwischen Charcot und Bernheim prĂ€gte die Hypnoseforschung fĂŒr Jahrzehnte.
Freud und das Unterbewusstsein
Ein junger Arzt namens Sigmund Freud war so fasziniert von Charcots VorfĂŒhrungen, dass er selbst mit Hypnose experimentierte. Er glaubte, man könne dadurch verdrĂ€ngte Erinnerungen freilegen. SpĂ€ter entwickelte Freud daraus die Psychoanalyse â lieĂ die Hypnose aber fallen, weil sie ihm zu unzuverlĂ€ssig erschien. Trotzdem: Ohne Hypnose hĂ€tte es die Idee des Unbewussten vielleicht nie gegeben.
Der Neubeginn â Hypnose als Therapie
Im 20. Jahrhundert geriet Hypnose zeitweise in Vergessenheit â bis ein auĂergewöhnlicher Arzt sie neu belebte: Milton H. Erickson. Erickson arbeitete nicht mit Pendeln oder formelhaften Suggestionen, sondern mit Sprache, Geschichten und individueller Trance. Seine âEricksonsche Hypnotherapieâ zeigte, dass Hypnose keine Kontrolle durch den Therapeuten bedeutet, sondern eine Zusammenarbeit mit dem eigenen Unterbewusstsein. Heute ist Hypnose eine anerkannte Methode in Psychologie und Medizin. Sie hilft bei Schmerzen, Angststörungen, Schlafproblemen oder Rauchentwöhnung â und wird in Kliniken, Zahnarztpraxen und Psychotherapien eingesetzt.
Fazit: Zwischen Mythos und Medizin
Die Geschichte der Hypnose ist eine Reise vom Okkulten zur Wissenschaft. Sie zeigt, wie stark Glaube, Aufmerksamkeit und Sprache auf Körper und Geist wirken können â oft stĂ€rker, als wir denken. Vielleicht ist Hypnose weniger âmagischâ, als viele glauben, aber gerade das macht sie so faszinierend: Sie fĂŒhrt uns mitten hinein in das Geheimnis unserer eigenen Wahrnehmung.
Nach der Geschichte stellt sich die Frage: Was passiert bei Hypnose eigentlich wirklich?




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