Zwang (Teil 1)
- majabuetikofer

- 25. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Okt. 2025
"Einblicke in die Menschen hinter der Diagnose - Psychiatrie-Spitex Thun"
Teil 1: Was sind Zwangsgedanken und -handlungen?
„Ein Blick hinter die Gedanken, die sich nicht abschalten lassen“

Zwangsstörung – kurz erklärt
Zwangsstörungen (engl. Obsessive-Compulsive Disorder, OCD) gehören zu den häufigeren psychischen Erkrankungen. Betroffene erleben aufdringliche, wiederkehrende Gedanken, Bilder oder Impulse (Zwangsgedanken), die als quälend, unangemessen oder bedrohlich empfunden werden.
Um diese innere Anspannung zu reduzieren, führen viele bestimmte Handlungen oder Rituale aus (Zwangshandlungen).
Das Problem: „Was kurzfristig beruhigt, hält den Zwang langfristig am Leben – ein Kreislauf, aus dem viele ohne Unterstützung kaum ausbrechen können.“
Ritual oder Zwang – wo liegt der Unterschied?
Fast alle Menschen haben Gewohnheiten oder kleine Rituale: den Schlüssel immer an denselben Platz legen, die Herdplatte zweimal prüfen oder sich vor einem wichtigen Termin besonders gründlich waschen.
Diese Verhaltensweisen sind in der Regel nicht pathologisch, solange sie:
flexibel bleiben (du kannst sie auslassen, ohne starke Angst zu bekommen),
nicht viel Zeit kosten,
nicht massiv deine Lebensqualität einschränken.
Bei einer Zwangsstörung hingegen:
sind die Gedanken und Handlungen aufdringlich und unangenehm,
werden sie als unvernünftig oder übertrieben erkannt,
führen sie zu Leidensdruck und Einschränkungen im Alltag.
Typische Formen von Zwängen
Zwänge können viele Gesichter haben – die folgenden Beispiele zeigen einige häufige Formen:
Kontrollzwang
Wiederholtes Prüfen (z. B. ob Türen verschlossen oder Geräte ausgeschaltet sind), oft aus Angst, etwas Schlimmes könnte passieren.
Wasch- und Reinigungszwang
Übermäßiges Waschen, Duschen oder Putzen, meist aus Angst vor Keimen, Schmutz oder „Kontamination“.
Ordnungs- und Symmetriezwang
Gegenstände müssen exakt ausgerichtet oder in bestimmter Reihenfolge angeordnet sein; schon kleine Abweichungen lösen Unruhe aus.
Zähl- und Wiederholungszwänge
Bestimmte Zahlen, Handlungen oder Wörter müssen immer wiederholt werden, um Angst oder Unheil abzuwenden.
Gedankenzwänge
Aufdringliche, oft beängstigende Gedanken (z. B. aggressive oder religiös-fanatische Inhalte), gegen die man innerlich ankämpft.
Beispiel: Einmal prüfen, ob die Tür abgeschlossen ist = normal. Zwanzigmal prüfen, weil du sonst Panik bekommst = Zwang. |
Fazit
Zwänge sind mehr als harmlose Macken. Sie können den Alltag stark belasten – aber sie sind gut erforscht und behandelbar. Das Verständnis der eigenen Symptome ist der erste Schritt, sich Hilfe zu holen und wieder Kontrolle über das eigene Leben zu gewinnen.
👉Zwänge sind mehr als Macken – doch woher sie kommen, erfährst du in Teil 2 ↗️

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